Verlag Drei Mühlen
Oberfeldweg 7
32278 Kirchlengern

Telefon (0 52 23) 8 42 32

info@verlag-drei-muehlen.de

Start       Wir über uns       Aktuelles       Verlagsprogramm       Bühnenwerke       Autoren       Informationen       Kontakt       Impressum

... Friedrich Steinmeier

Kurzbiografie und
Leseprobe
Nachrufe
Rezension
"Die Goldammer aber
sang ein anderes Lied"
Autorenportrait
"Von Hinz und Kunz
gelesen"
Zurück zur Übersicht
der Autorinnen und
Autoren

Von Hinz und Kunz gelesen

Warum aus Friedrich Steinmeier ein westfälischer Volksdichter geworden ist

von Willi Fleddermann

Mit seinen Gedichten fing alles an. Gute Freunde drängten längst zur Veröffentlichung. Doch erst 1984 erschien „Am Ufer der Zeit“, der erste Lyrikband des damals 54jährigen Friedrich Steinmeier.

In Dieter Güth hatte er den aufmerksamen und aufgeschlossenen Verleger gefunden, der sein literarisches Schaffen auch künftig mit feinem Gespür begleiten sollte. Der zweite Lyrikband „Jahre unter dem Mond“, 1987 erschienen, belegt das glückliche Aufeinandertreffen von Autor und Verleger eindrucksvoll.

Friedrich Steinmeier hatte begonnen, in der ihm eigenen, an Bild- und Farbnuancen reichen, harmonisch fließenden Sprachmelodie ein hohes Lied auf seine westfälische Heimat zu singen. Dass er, der Lyriker, sich auch in seiner Prosa als großartiger, tiefgründiger und humorvoller Erzähler erwies, mag einige überrascht haben.

Friedrich Steinmeier selbst, der sich damals wie heute bescheiden als stiller Beobachter gefällt und „bloß nicht“ im Rampenlicht stehen will, hat wohl am wenigsten mit einem nennenswerten Erfolg seiner Erzählung „Schokoladenpapier“ gerechnet. Doch die zauberhafte Geschichte „von Kohlenklau und Balkenbrand, kleinen Gaunereien und einer leisen Liebe in einer lauten Zeit“ (1989) bescherte ihm auf Anhieb eine große Fangemeinde.

„Endlich wieder ein beglückender und dazu noch ,typisch westfälischer‘ Erzähler von Format“, urteilte die Presse, die nun endgültig auf den im Ruhestand lebenden Volksschullehrer aus Bünde aufmerksam geworden war. Auch durch Sendungen im Rundfunk lernten zahlreiche Hörer den Autor kennen und lieben.

Wie es so geht, wird einer, der Erfolg hat, schnell von „Freunden“ umringt, die ihn in Beschlag nehmen und mit guten Ratschlägen versorgen. So erhielt auch Friedrich Steinmeier wohlmeinende Tipps, welche „wichtigen“ Leute man bei dieser oder jener Gelegenheit kennenlernen könne, und an wen er sich halten müsse, um Eingang in „bessere“ Kreise zu finden. Er habe es nicht nötig, sich länger mit „Hinz und Kunz“ abzugeben.

Wenn die Rede darauf kommt, gerät Friedrich Steinmeier in Rage. Wie man so armselig überheblich sein könne, nein, das sei nicht seine Welt, und er sei geradezu stolz darauf, „von Hinz und Kunz“ gelesen zu werden!

Dabei schaut er zu seiner Ingrid hinüber – der Eheliebsten, die ihm in langer gemeinsamer Zeit stets Halt und Wärme gab. Sie nickt und lächelt und erinnert den Besucher – wie schon so oft - an Ingeborg, das Mädchen aus „Schokoladenpapier“: "... aber ach, sie waren beide nicht an Alkohol gewöhnt und an die Liebe auch noch nicht recht. Sie schliefen ein, Hand in Hand auf dem Sofa sitzend. ... Dann machte er sich auf, nach Hause zu gehen. Als er vor die Tür trat, hatte es frisch geschneit. Nun würde man seine Spuren von denen der Freundin wohl unter­scheiden können. Aber Ingeborg küsste ihn und sagte: „Lass man, ich fege den Schnee gleich weg.“

Auf dem Tisch steht ein Kuchen, aus Vollkornmehl gebacken. Längst sind die Tassen leer, dafür glänzt golden ein trockener Wein im Glas. Das Kaffeegeschirr ist zur Seite gerückt, nicht abgeräumt. Das geschäftige Treiben der Hausfrau „zwischendurch“ stört ihn, und Friedrich Steinmeier hat recht. So fließt der Nachmittag ruhig, beschaulich, und es gibt ja so viel zu erzählen.

Der Besucher fühlt sich wohl. Gegenüber an der Wand zweimal das gleiche Fleckchen am Gewinghauser Bach, zu verschiedenen Jahreszeiten gemalt von Werner Neck. Im Übergang von Wohn- und Arbeitszimmer schwebt Johann Heinrich Kuhlmann, an Fäden gehalten, wie es sich für eine Marionette gehört. Karin Müller hat dem schlauen Holzschuhmacher und Löffelschnitzer aus dem Westfälischen aus „Die Zeit des Bären“ (1996) Gestalt gegeben.

Zum Rückblick gehören „Pattwege“ (1992) und „Mittagswind“ (1994) - zwei weitere Liebeserklärungen des Autors an seine westfälische Heimat. Im Herbst 1998 erschien das Gesamtwerk Friedrich Steinmeiers in zwei Bänden, aufwändig gestaltet, schön und praktisch zugleich untergebracht im Schuber.

Damals erklärte er wie nach jeder Neuerscheinung, endgültig den Stift aus der Hand legen zu wollen. Dabei blieb es. Jedenfalls bis zum Sommer des Jahres 2000, als er dann doch ein neues Buch vorstellte: „Unterm Walnußbaum“, eine neue Erzählung aus der Nachkriegszeit, in der wir alten Bekannten aus „Schokoladenpapier“ begegnen: Johann Meyer, Rabenvater, Emma Möller, Frittken Ohlmann und anderen.

2003 widmete er das Buch „… und ein silbriger Schimmer lag über der kleinen Stadt“ seiner Heimatstadt Bünde, es erschien in dem Jahr, in dem die Stadt ihren 150jährigen Geburtstag feierte. Die Gedichte und Erzählungen waren nicht „neu“, lediglich in Feinheiten aktualisiert und überarbeitet. Und doch konnten wir an Friedrich Steinmeier wieder einen neuen Aspekt entdecken: Wie gewohnt, stellte er uns seine westfälische Heimat in eindringlich gestalteten lyrischen Bildern – in Erzählungen und Gedichten – vor. Zugleich überraschte er aber mit einer Fülle ausgewählter Fotografien, die überwiegend von ihm selbst stammten und – den Texten ebenbürtig in lyrischer Harmonie – mit ihnen wie zu einem großen Gemälde zusammenflossen.

Natürlich steckte Friedrich Steinmeier immer noch voller Ideen. So folgten 2003 und 2004 zwei Liebhaberausgaben: „Auf späten Wegen" (Gedichte) und „Nachlese". Zwei kleine Hefte nur, mit einem Umfang von jeweils 36 Seiten. Doch jedes als Unikat nummeriert und vom Autor handsigniert.

Sein letztes Buch „Die Goldammer aber sang ein anderes Lied" (2008) wird nun endgültig sein letztes bleiben. Er sah es selbst als Abschiedsgeschenk an seine treuen Leser, und so wurde es auch aufgenommen.

Der Besucher lächelt und träumt sich ans Ufer der Zeit. Dort ist Friedrich Steinmeier angekommen, er hat uns aber vieles zurückgelassen, was bleibt und ihn in unsere Mitte zurückholen kann. Wie gesagt hat er ja immer für „Hinz und Kunz“ geschrieben. Und weil er von ebendiesen fleißig gelesen wird, erklärt sich am Ende von selbst, warum aus Friedrich Steinmeier ein westfälischer Volksdichter geworden ist.

... nach oben ...