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Geht uns Zwangsarbeit heute noch etwas an?

(Textauszug aus dem Buch "Fremde, Freunde und verlassene Gräber", Kapitel 1, Autor: Willi Fleddermann)

Eigentlich können wir beruhigt feststellen: „Wir Deutschen haben ein Stück unrühmlicher Geschichte aufgearbeitet!“ Und damit für uns und unser Gewissen das Thema abhaken. Immerhin haben wir Deutschen per Gesetz vom 2. August 2000 die Stiftung „Erinnerung, Verantwortung und Zukunft“ ins Leben gerufen und über diese Stiftung individuelle und humanitäre Zahlungen an ehemalige Zwangsarbeiter und andere Opfer des Nationalsozialismus abgewickelt. Das Stiftungsvermögen betrug stolze 10,1 Milliarden DM (umgerechnet mehr als 5,1 Milliarden Euro), die je zur Hälfte von einer Stiftungsinitiative der deutschen Wirtschaft und von der Bundesrepublik Deutschland aufgebracht wurden. Bis Ende 2006 erhielten fast 1,7 Millionen Menschen in nahezu 100 Ländern der Erde Zahlungen in Höhe von insgesamt 4,4 Milliarden Euro.

Damit nicht genug. Die verbleibenden 358 Millionen Euro des Stiftungsvermögens sorgen als Förderstiftung dafür, dass aus dem Fonds „Erinnerung und Zukunft“ jährlich rund 8 Millionen Euro zur Verfügung gestellt werden können, um internationale Programme und Projekte zu fördern, die „der Völkerverständigung, den Interessen von Überlebenden des nationalsozialistischen Regimes, dem Jugendaustausch, der sozialen Gerechtigkeit, der Erinnerung an die Bedrohung durch totalitäre Systeme und Gewaltherrschaft sowie der internationalen Zusammenarbeit auf humanitärem Gebiet dienen“ (so beschreibt die Stiftung selbst ihren Auftrag). Die Stiftung will auf Dauer tätig bleiben.

Wenn wir über diesen Stiftungsauftrag nachdenken und einfach wahllos eine der gerade in Rundfunk oder Fernsehen laufenden Nachrichtensendungen einschalten, kann von beruhigtem Gewissen keine Rede mehr sein. Ganz in der Nähe und in beklemmender Vielfalt begegnen wir auch heute noch dem Elend der Zwangsarbeit. Sie bleibt ein weltweites Problem.

Die Nationalsozialisten haben „Zwangsarbeit“ nicht erfunden. Seit Urzeiten hat es Menschen gegeben, die mit oft brutaler Gewalt oder unter Androhung von Gewalt zur Arbeit gezwungen, ihrer persönlichen Freiheit und Rechte beraubt und menschenunwürdig behandelt wurden. Sklaverei ist eine Variante der Zwangsarbeit, die wir schon aus der Antike kennen. In ihren wechselnden Erscheinungsformen führt die Geschichte der Sklaverei bis ins heutige 21. Jahrhundert.

Zwar schlossen die Staaten des Völkerbundes 1926 in Genf ein Abkommen gegen die Sklaverei, das aber an den Verhältnissen wenig änderte, wie ein weiteres Verbot 1948 und ein erneutes Abkommen 1956 belegen. Im Deutschen Reich galt schon Ende des 19. Jahrhunderts ein Gesetz, das Sklavenraub und Sklavenhandel unter Zuchthaus- und sogar Todesstrafe stellte.

Für Zeiten des Krieges galten die „Haager Landkriegsordnung“ in der Fassung vom 18.10.1907 und die „Genfer Konvention“ vom 27.7.1929, die Besatzungsmächten den Einsatz von Zivilpersonen aus eroberten Gebieten verboten und Grundsätze für den Status und die Behandlung von Kriegsgefangenen aufstellten. In der Praxis haben diese im Völkerrecht verankerten Bestimmungen wenig bewirken können.

Die Organisation „Terre des hommes“ veröffentlichte 2006 Zahlen, die später von der UNO bestätigt wurden. Danach müssen noch heute mehr als 12 Millionen Menschen als Sklaven angesehen werden. Es geht um Opfer von kriminellem Menschenhandel, Missbrauch von Kindern für militärische Einsätze, Zwangsprostitution und Zwangsarbeitsverhältnisse. Die meisten der davon Betroffenen leben in Indien, Bangladesch und Pakistan. Doch auch in den Industriestaaten finden sich aktuelle Spielarten der Sklaverei.

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